11.07.2021 – Zürich – Gerhard Richter

Frühstück mit Blick auf das Grossmünster amLimmat

Heute Nacht stieg vor meiner Tür eine Party. Gegen 6 Uhr tobten die jungen Leute noch immer durch die Straßen und feierten was das Zeug hält. Gut, dass ich einen so tiefen Schlaf habe. Bettina Etique kommt aus Biel um mit mir die Gerhard Richter Ausstellung im Kunsthaus zu besuchen. Die Freude ist groß, dass wir uns mal wieder in der Schweiz sehen und etwas gemeinsam erleben. Sie geht schon früh auf die Bahn und wir treffen uns im Hotel, da sie direkt bei mir eincheckt. Perfekt, dass das „Upgrade“ unverhofft geklappt hat. Nachdem wir uns in dem kleinen Hotelzimmer eingerichtet haben starten wir in den sonnigen Tag mit dem Wunsch auf einer Außenterrasse frühstücken zu gehen. Wünsche werden so schnell erfüllt wenn man richtig wünscht. Kurze Zeit später sitzen wir am Limmat mit Blick auf das gegenüberliegende Ufer mit Grossmünster im Hintergrund und blauem Himmel.

Nach ein – zwei Schalen Kaffee und frischen buttrig duftenden Gipfelis starten wir zum Kunsthaus über die Brücke zum Großmünster in die kleinen Gässchen und landen schneller als wir denken im ….

Ja, gibt es denn so etwas? Wer hätte das gedacht! So schnell landet man im Paradies. 🙂 Wie wir auf einer Plakette lesen können, stammt das Gassen- und Kernhaus aus dem 13./14. Jahrhundert. Die heutige Fassade erhielt es im 16. Jahrhundert. Der barocke Erker folgte in der 2. Hälfte des 17. Jahrhundert. 1450 wurden für den damaligen Bewohner Rudolf Netstaler Wandmalereien (Männergelage und Monatszyklen) im 1. Geschoss gemalt. Das Gebäude steht seit 1983 unter Denkmalschutz.

Wir lassen uns ein wenig treiben. Bestaunen die alten Gemäuer und Geschäfte. Eine kleine Bücherstube erweckt unsere Aufmerksamkeit. Zum einen der Herr der davor die Auslage studiert, da er sehr speziell gekleidet ist. Zum anderen steht in der Auslage eine Struwwelpeter Ausgabe „neu frisiert“. Zum Struwwelpeter fällt Bettina gleich eine Ausgabe ein, welche sie in Hamburg in einer kleiner alten Buchhandlung gesehen hat mit einer Karikatur von Hitler. Anm: tatsächlich sehe ich drei Wochen später diese Ausgabe in der Auslage in einem Hamburger Antiquariat. Siehe hierzu den Blog-Eintrag vom 31.07.2021 Hamburg.

Weiter steigen wir den Berg hinauf. Ich bin wieder erstaunt, das Zürich sooooo hügelig ist. Vorbei an etlichen Brunnen und wunderschönen, mit Efeu bewachsenen Häusern geht es den Berg wieder hinunter zum Kunsthaus Zürich. Die Karten haben wir selbstverständlich online vorher erworben, um auch wirklich in die Ausstellung zu kommen. Das Wetter ist wunderschön, die Menschen sitzen entspannt im Museumscafe und genießen den sonnigen Tag. Wir starten mit der großen Richter Ausstellung. Im Eingang wird der Blick direkt auf ein großformatiges Bild auf eines seiner „Seestück – See-See“ Bilder aus den 1970iger gelenkt. Dieses dürfen wir nicht fotografieren, macht nichts, da in der Ausstellung weitere hängen, die genauso beeindruckend sind. Denn genau dieses Bild hat mich in einer früheren Ausstellung so fasziniert. Ich bin wieder hin und weg über die wirklichkeitsgetreue Darstellung des aufgewühlten Meeres. Wie schafft der Künstler es, die Stimmung am Meer so einzufangen, so dass ich das Gefühl habe an der Nordsee zu stehen. Es fehlt nur noch die Geräuschkulisse, das Kreischen der Möwen, der Wellenschlag, der Sand unter den Füßen, so dass ich Eindruck habe am Meer zu stehen. Aber das ist ja erst der Anfang. Was erwartet uns noch?

Seestück bewölkt 1969 Öl aus einer Privat Sammlung über neues Museum Nürnberg

Ich werde jetzt nicht alle Kunstwerke benennen. Ganz neu für mich waren jedoch die Originalfotos, die Gerhard Richter durch Farbe gezogen hat und somit kleine, neue Kunstwerke geschaffen hat. Auch haben mich die Landschaftsfotos berührt.

Originalfotos mit Öl

Natürlich gefallen uns die Berg Impressionen. Das hier gezeigte Bild erinnert mich stark an die Riederalp.

Erinnerungen an die Riederalp
Ruhrtalbrücke 1969

https://www.monopol-magazin.de/gerhard-richters-bruecke

Neben den vielfältigen Bildern, unterschiedlichen Kunstwerken „nehme“ ich diesmal die Ruhrbrücke mit. Aus meiner Heimat, so oft hinübergefahren beeindruckte mich der 25 minütige Film des Filmemacher Hannes Reinhardt über die Entstehung des Kunstwerks.

https://www.gerhard-richter.com/de/art/paintings/photo-paintings/landscapes-14/ruhrtal-bridge-5663

Nach der beeindruckenden Ausstellung setzen auch wir uns in das Café unter einen Sonnenschirm mit Kaffee und lassen die Kunst auf uns wirken. Wir haben noch nicht genug. Also auf in die Dauerausstellung auf der Suche nach Boys finden wir Seerosenbilder von Monet, grafische Muster, einen eingerichtetenSalon u.v.m. ich bin müde und will nicht mehr. Wieder zurück ins centrum verspüren wir den kleinen Hunger. Es sind noch Plätze frei im Schweizer Restaurant und ich bestelle Senffondue. Dies kennt Bettina nicht. Haha! Da komme ich Touri-Tussi und erkläre Köstlichkeiten, die wir bereits seit 20 Jahren aus dem Wallis kennen. Hmmmm

Ein Dessert muss natürlich auch sein. Die süße Versuchung trifft auf Merengue mit Eis. So gestärkt wollen wir noch einen Abendspaziergang machen als ich den Anruf bekomme, dass mein Papa unverhofft ins Krankenhaus musste. Nun habe ich keine Ruhe mehr. Statt meiner geplanten Rückreise am Montag morgen suche ich eine Nachtverbindung mit dem Zug und sitze bereits eine Stunde später um 21:30 h im Zug über Basel nach Iserlohn.

Natürlich kann ich nicht schlafen, telefoniere noch mit der Familie und bekomme dann gegen Mitternacht den Anruf, das unser geliebter Papa mit 88 Jahren die Augen für immer geschlossen hat. Ich bin so entspannt nach Zürich gereist, keinerlei Anzeichen auf eine Krankheit von den Eltern. Also bestätigt sich die Aussage: lebe den Moment, verabschiede dich immer so, als ob es das letzte mal ist, dass man sich sieht. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich mit den beiden am Freitag morgen noch unterwegs war und, dass wir einen Kaffee beim Hellweg getrunken haben. Wir hatten noch viel Spaß, Papa hat noch Lotto-Lose gerubbelt. Als wir zuhause waren habe ich so gelacht als Papa mich in der Garage ein einparken eingesperrt hatte. So schnell kann das Leben vorbei sein. Lasst uns dankbar sein, für jeden Tag den wir auf Erden weilen mit Familie und Freunden. Genießt das Leben in jedem Moment.

RIP lieber Papa

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