16.12.2021 – Ski fahren – Seele baumeln lassen

Der Tag beginnt wie immer. Täglich grüßt das Murmeltier 🙂 Lesen, gemütlich starten, eine kleine Runde zum einkaufen zum CoOp. Leckeres frisches Bayers Brot, Servietten fehlen. Die Osterhasen finde ich jetzt gerade nicht so passend, die noch in der Wohnung waren :-)) Gemütlich schleiche ich wieder durch die Alpenwelt. Den Blick auf die vielen 4Tausender gerichtet. Allem voran unser immer präsentes Matterhorn. Der Schnee strahlt in der Morgensonne.

Matterhorn – Viertausender im Wallis

Frühstück, nochmal in der „Mitternachtsbibliothek“ schmökern. Dann aber mal los, auf die Bretter. Hurra, heute hat der Hohfluh geöffnet und ich kann hier meine ersten Bahnen ziehen in der Saison 21/22. ich bin allein!!! Unglaublich. Es sind noch viele Anlagen geschlossen. Rolli berichtete aus dem „WalliserBoten“ dass auch hier der Klimawandel mehr als spürbar sei. Die Eggishorn Abfahrt wurde gesperrt. Der Permafrost hält die Abfahrt nicht mehr. Die Umweltbehörde rechnet mit Gebirgsabgängen. Ähnlich denen von vor 3/5 Jahren am Moosfluh. Hier ging der Aletsch- Gletscher soweit zurück, so dass breite Spalten entstanden sind. Es entstanden so breite Spalten, dass Häuser darin hätten verschwinden können. Das Gebiet darf nicht mehr erwandert werden.

https://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/im-wallis-droht-ein-gigantischer-bergsturz/story/26669694

Viele rote Punkte – die Region wartet auf Schnee

Heute fahre ich natürlich viel am Hohfluh und sitze nur allein in der Gondel. Ich sehe ein Zelt!!!! Oben auf dem Berg :-). Will hier einer übernachten? Das Zelt hat sogar einen Schornstein! Seltsam – Seltsam!!! Neue Mitarbeiter sind am Hohfluh im Einsatz. Ich kenne niemanden. Natürlich frage ich den jungen Mann, was es mit dem Zelt auf sich hat. Er weiß es nicht. Erzählte jedoch, dass er zwei nackte Männer dort beobachtet habe. HiHi! Aber ob die Pattroleure das Zelt am Abend genehmigen würden, bezweifelt er. Nun, wir warten ab. Ich fahre rüber zum Moosfluh und möchte am Chuestall eine Schoggi mit Rahm in der Sonne trinken.

Hmmmm – dieser zarte Sahne Schoko Schmelz – und das Apfeltörtchen – köstlich.

Dann zurück, reicht für heute. Der Bahn-Mitarbeiter hat recherchiert und herausgefunden, dass es sich bei dem Zelt um eine …. Tadaaaaa … mobile SAUNA handelt. HaHa! Daher rennen die Herren dann nackig durch die Bergwelt. Das Zelt war dann auch abgebaut. Ob sie morgen wiederkommen? Oder sich neue schöne Aussichtspunkte suchen? Fragen über Fragen.

Mobile Sauna am Aletsch-Gletscher

Wer reist, kann was erzählen. Dann fahre ich in die heimelige Wohnung. Wir essen heute bei Dany‘s scharfes Chili con Carne und lassen den Abend gemütlich ausklingen. Das ist Urlaub pur. Keine Verpflichtungen – keine Termine, nur ohmmm. Bewegung an der frischen, kalten, trockenen Winterluft. Lecker essen, schlafen und viel lesen.

21.12.2021 – Riederalp ade – bis bald

Die Tage plätschern so vor sich hin. Ich genieße die Landschaft, das Wetter, die Bewegung und zuletzt natürlich auch unsere Freunde Bernd und Manu. Mit den beiden haben wir schon so viele Riederalp-Erlebnisse, die wir teilen. Seit ca 30 Jahren kommen wir gemeinsam hier hinauf. Das ist wirklich lange :-)). Gerade frage ich mich, ob Bernd noch immer bremsend aus den Ski aussteigt? Ich weiß es gerade nicht. Muß ich nochmal fragen. Wir sind mit ähnlichen Interessen unterwegs. Ski fahren natürlich aber genau so wichtig sind uns die Pausen. Die Riederfurka Sonnenterrasse hat wieder geöffnet. Wir speisen einmal am Restaurant die Tage drauf findet man uns Schoggi trinkend und Suppe essend auf der Self-Service Terrasse.

Auf der Sonnenterrasse Riederfurka

Rolli und ich testen auch das neue Angebot am Chuestall. Eine Bude mit vielen Sonnenliegen, lauter Musik und Getränken. Bockwurst Geruch steigt mir in die Nase. Nicht so lecker. Bratwurst gibt es wohl auch. Kakao leider nicht. Schwenke ich auf Glühwii um :-). Der ist gut. Bringt kalte Glieder wieder auf Temperatur und den Kopf ein wenig in Watte.

Am Chuestall – neue Event-entspann-Location

Nach minimum 10 Jahren, gönne ich mir einen neuen Helm. Mit Visier habe ich gedacht. Ist praktisch! Beim dritten Besuch beim Aletschsport, Silvio werde ich fündig. Farben sind scheinbar nicht in – Auswahl beschränkt sich auf weiß oder schwarz. Ich wähle weiß, da mir das Visier am besten gefällt. Manu stellt später fest, dass Glitzersteinchen auf dem Helm sind. Schick sage ich. Tatsächlich befinden sich Swarovski Steinchen drauf, wie der Beipackzettel erklärt. Habe ich nicht bewusst gekauft. Gefällt dennoch. Das Foto: habe ich nicht bewusst geschossen, aber unsere Wohnung ist im Hintergrund links oben zu sehen.

Total cool – meine Brille passt drunter. Jetzt sehe ich auch etwas auf der Piste :-).

Am Abend schneide ich fleißig meine Radio-Sendung Homeland Deutschland – Heimat Iserlohn und bin, wie bereits bei der Aufnahme sehr gerührt über die geschilderten Erlebnisse meiner beiden Gäste Stefan und Mustapha (Namen geändert).

https://www.nrwision.de/mediathek/macher/iris-rademacher/

Meine Weihnachtskarten-Ausbeute ist dieses Jahr eher klein. Man kommt zu nix. Ich versuche mich für unsere Schweizer Freunde in Schwyzer/Deutsch. Hoffentlich habe ich dann alles korrekt geschrieben. Es macht sehr viel Spaß sich in der Sprache zu versuchen.

Auch gehen wir noch einmal zu Dany‘. Am Sonntag Abend sind wir gefühlt die einzigen Gäste. So haben Dany und Daniela währen unseres Fischfondues Ziet mit uns zu plaudere. Was gibt es neues auf der Alp? Was macht Etenia beim Ski-Rennen? Nituna in Gstaad in der Ausbildung. Sie sehen wir auch ganz kurz. Wir berichten von unseren wunderbaren Enkelmädchen. So ist der Abend auch wieder schnell herum. Rolli hustet wieder viel stärker. Samstags gehen wir auf die neue Feuerwache an der Kapelle und lassen uns testen. Antigentest zum Glück negativ! Aber was soll hier auch passieren? Am Wochenende war mehr los, aber unter der Woche sind wir alleine unterwegs. Sitzen alleine im Lift, in Restaurant. So fühlen wir uns sehr sicher vor Corona. Ob man will oder nicht, man wird überall mit dieser Pandemie und der 4. Welle, nun Omnikron, konfrontiert. Sehr nervig!

4. Advent im Schnee

Wenn ich an Bekannte in Neuseeland denke, die im Sonnenschein am Strand Weihnachten feiern, kommt mir das sehr fremd vor. Da hole ich mir lieber hier die Weihnachtsvorfreude.

Der volle Mond hängt am späten Nachmittag schon am Himmel

Dann wandert der Mond und ich kann ihn vom Bett aus sehen. Wie auch den Sternen übersäten Nachthimmel. Hier oben für Sterngucker ein phantastisches Erlebnis. Daran erkennt man, dass die Lichtverschmutzung hier auf 2000 Höhenmetern nicht so drastisch ist wie in den großen Städten, oder stärker bewohnten Gegenden.

Der Montag war so ruhig. 9 Uhr stehe ich bereits auf den Brettern und fahre durch den Sahne-Schnee. Um 11 Uhr trifft mich das Hüngerchen und ich fahre ab, in die Wohnung. Frühstück, herumbummeln und dann mit Roggis auf die Riederfurka Sonnenterrasse. Das ist ein guter Urlaubsabschluss. Wir fahren gemeinsam ab zum Alpmuseum um uns noch mal Weihnachtsfeeling zu holen.

Roberta vor „ihrem“ Alpmuseum

Roberta hat nicht nur unten an der Kapelle die kleine Krippe hergerichtet, Nein auch hier oben eine liebevoll gestaltete im 400 Jahre alten Kuhstall. Besser passt es nicht. Wir plaudern noch über dies und das, stellen fest, dass wir Enkelkinder im gleichen Alter haben. Das älteste von ihr ist jedoch schon 8 Jahre alt und lernt gerade Ski laufen. Roberta hat fünf – 2 Buben 3 Mädels und wir 3 Mädels. Es ist schön und ruhig hier. Ich bekomme noch einen Apfel als Wegzehrung. Den nehm ich gern.

400 Jahre alte Kuhstalltür im Alpmuseum
Die hübsche Krippe mit Melkschemel zum verweilen

Im Anschluss mache ich noch meine Hohfluh Abschlussrunde und sehe dann auch noch mal die sechs Gämsen. Eine schöne Abschluss Tour durch die Sonne.

Zwei von sechs äsenden Gämsen

Dann heißt es Abschied nehmen, bis zum nächsten mal. Ich fahre langsam an der Villa Cassel vorbei.

Villa Cassel – Riederfurka im Wallis

Ich gehe sofort im Anschluss einkaufen. Eine kleine Sportbrille für Eméa. Wieder ein traumhafter Himmel, blau/lila/ Gold

Weihnachtsstimmung pur

Dann wird geputzt, gegessen, geschlafen 3G 🙂 und am Morgen um 8:30 h sind wir auf der Bahn. Tschüss Bye Bye ade – bis bald

In Brig haben wir noch ein bisschen Zeit um die Stadt einmal rauf zu laufen. Dieses italienische Ambiente begeistert mich immer wieder.

Eisbahn – Brig – Marktplatz

De Eisbahn ist bereit. Es läuft Musik, die erste Schulklasse kommt. Im Hintergrund scheint die Sonne. Dann wird es Zeit auf die Bahn zu gehen. Die Züge sind alle pünktlich!.

Maroni werden hier lautstark angepriesen

Auch dieses Bild ist für mich mit Brig im Winter fest verknüpft. Maroni Verkauf. Der Verkäufer hat ganz dunkle Hände vom wenden der Kastanien. Der angekokelte Geruch ist typisch. Für mich nicht so lecker. Da der Stand gefühlt schon ewig dort ist, gehe ich davon aus, dass das eine gern gegessene Spezialität ist.

In Deutschland wurde unser Einreiseformular BRD gecheckt. Haben wir gemacht, doch nicht gespeichert. Ging nicht. Soviel zur Digitalisierung! Wollen alles und nix funktioniert. Bei Rolli auch nicht. Am Abend sind wir um 19 Uhr auf unserem Sofa in Iserlohn und sind sehr dankbar für die schöne Zeit in der Schweiz. Nun freuen wir uns auf Weihnachten mit unseren Kindern und Mama.

15.12.2021 Winterwonderworld im Wallis

Guten Morgen! Riederalp … ich beginne den Morgen in aller Ruhe, Zähne putzen, in meinem neuen Buch lesen „Die Mitternachtsbibliothek“ von Matt Haig. Das ist Urlaub! Lesen so lange man Lust hat. Bis Seite 75 schaffe ich und dann sollte ich mal zum einkaufen gehen.

Diese wunderschönen Sonnenaufgänge in den Alpen kann man nur im Winter beobachten.

Ich laufe hinunter und stelle fest, dass „Olympia – Egon“ erst am Samstag öffnet. Also wird es ein kleiner Spaziergang durch den frischen, sonnigen Morgen zum CoOp. Gut, dass ich den großen Rucksack dabei habe. Da passt wohl der erste große Einkauf rein. Brot, Milch, Käse, Trockenfleisch und natürlich Bio-Eier. Hmmm freue mich schon jetzt auf das ausgiebige Frühstück.

Ich versuche das Glitzern der abermillionen von Schneekristall-Diamanten einzufangen.

Das Glitzern der Schneekristalle ist immer wieder ein Phänomen, welches ist aufsauge und so schön finde. Der kurze Gang über den höchsten Golfplatz Europas ist wie immer entspannt. Die Fläche eben. Trotzdem schleiche ich wie eine Schnecke in 2000 Meter Höhe über das Schneefeld hinauf zu unserem Chalet. Die Luft tut unglaublich gut. Für Dezember ist es eher warm. Über 0 grad.

Nach dem Frühstück bummeln wir beide noch rum, lesen, genießen Tag. Ich denke, dass ich Rolli angesteckt habe. Er bellt und schnieft wie ich letzte Woche. Er möchte nicht Ski laufen. Ich aber! So hole ich am Hohfluh meinen Ski-Pass. Sehr aufwendig, da ich meine EC Karte vergessen habe. Schit. Online buchen ist günstiger. Der junge Mann hat gerade nix zu tun. Vorsaison. Er ist sehr geduldig mit mir. Die Aletsch-Company schafft sich, wie viele andere Einrichtungen mit dem online Handel (günstiger als vor Ort kaufen), doch selbst ab. Ich bedauere das sehr. Merke auch jetzt, wie schön es ist, mit Menschen zu reden, als mich mit meinem Handy stundenlang zu beschäftigen, mit dem Ergebnis: funktioniert nicht. Doch vor Ort etwas teurer (+ 6 FR) persönlich kaufen. Preise wie in der Hauptsaison. 57 Franken ein Tag!! Halbtags kaum ein unterschied. Lohnt nicht. Das ist Echtzeit Witz. 54 CFR. Beim nachträglichen Googeln habe ich jedoch herausgefunden, dass Österreich die gleichen Preise hat. Ski fahren ist teuer, aber wunderschön. Dann endlich packe ich das gute Stück Karte in meinen Jackenärmel und fahre zum Moosfluh, da der Hohfluh gerade außer Betrieb ist. Auch Schit! Dann genieße ich jedoch von 15 Uhr noch 1,5 h (den Tag brauche ich nicht mehr zahlen, da ich ab morgen eine 5-Tages Karte habe!!!). Es ist herrlich die Linien durch den Schnee zu ziehen. Die Sonne scheint, strahlend blauer Himmel. Es ist angenehm. ABER ….

Der junge Mann scheint wirklich Hitze zu haben – brrrrr

Also, SO warm, dass man halb nackt über die Piste läuft, ist es meiner Meinung nach nicht :-))) es sind um die 5 grad plus. Der Schnee taut leicht an. Nach Hause muss ich dann leider über die Piste rauf laufen zum Chalet, da der Hohfluh noch immer außer Betrieb ist.

Rolli ist zu Hause und kuriert sich aus. Dann machen wir uns einen schönen Abend. Essen Schweizer Spezialitäten. Rösti, Salat und Spiegelei. Immer wieder lecker. Einen kleinen Rotwein dazu.

Im Anschluss schneide ich noch meine „Homeland Deutschland“ Sendung. Die Serie ist klasse. Zum nachhören: https://www.nrwision.de/mediathek/homeland-deutschland-heimat-iserlohn-imran-josey-fatima-heimat-in-iserlohn-erleben-211130/

Es gibt noch weitere Sendungen auf NRWision zu hören.

Dann klingeln mir die Ohren und ich werde noch kreativ und male ein paar Weihnachtskarten.

Frohe Weihnachten

Schon wieder ein Tag vorbei in unserem kleinen Paradies.

14.12.2021 – Riederalp :-D

Seit März war ich nicht mehr oben auf „unserer“ Alp. Rolli seit 16 Monaten nicht mehr. Wir leiden beide unter Entzug.

Doch die Frage: „wie kommen wir denn rein in die Schweiz?“ Die App „sicher reisen“ weiß Bescheid. PCR Test, nicht älter als 78 h, nach vier Tagen im Wallis nochmal testen lassen. Hoffentlich ist oben ein Testzentrum. Sonst müssen wir noch mal in das Tal nach Brig. Das Einreiseformular ausfüllen. Dreißig Minuten sollte man einrechnen, bevor man alles eingegeben hat. Und FERTIG! Zugtickets hatte ich bereits vor 4-6 Wochen etwas umständlich gekauft. Hinreise war online kein Thema. Doch konnte ich die Rückfahrt nicht hinzufügen. Das zum Thema Digitalisierung!!! Also auf zum nächsten DB Reisecenter. Das nächste gelegene für uns ist in Schwerte. Auf in den Nachbarort. Hier bekomme ich denn auch nach etlichem hin und her meine Tickets. 1. klasse, mit Reservierungen rund 250 Euro für zwei Personen. Dafür können wir nicht mit dem Auto fahren.

Da es Rollis Geburtstag ist und unsere kleine Lelia sich in unserem Bett breit macht, müssen wir am Abreisetag etwas Gas geben. Geschenke gab es bereits in der Nacht, nun singen wir „Happy Birthday“ und fahren pünktlich um 8 Uhr Richtung Letmathe Thilo einsammeln. Lelia geben wir pünktlich im Kindergarten ab und frühstücken noch lecker bei Gina. Nala ist auch da. :-)) nachdem wir gesättigt sind, bringt Thilo uns zum Bahnhof. Pünktlich starten wir in Dortmund, steigen in Mannheim um und landen in Basel in der Schweiz. Die Züge sind alle pünktlich. Das Personal freundlich und alles top top sauber. Dann geht es ohne Prüfung unserer „Einreiseformalien“ weiter über Bern nach Brig. Gegenn17 Uhr wird es schon stockdunkel und es liegt Schnee. Juhuuu! Wir holen uns den Weihnachtsgroove mit Schnee, Sonne und schöner, stimmungsvollen Weihnachtsbeleuchtung.

Die kleine Bahn ist in Revision! Na, das fängt ja gut an. 18:03 h fahren wir mit der großen Bahn auf Riederalp-Mitte! Ein gutes Gefühl oben anzukommen und durch den knirschenden Schnee zu stapfen. Die Weihnachts-Sterne leuchten uns von den Straßenlaternen den Weg. An der kleinen Kapelle ist Licht. Der Stall ist aufgebaut mit der Krippe. Wie schön!

In

Sogar das Jesuskind liegt schon in der Krippe. Da kommen gute Gefühle auf.

Dany‘s Restaurant weist auf einem Schild darauf hin, dass am 17.12. um 11 mit Apero die Saison eröffnet wird. Na, da wissen wir ja, wo wir sein werden. Das Chalet Walker liegt in Dunkelheit vor uns. Wir sind etwas geschafft vom Weg. Rolli mit dem Koffer durch den Schnee. Mir macht die Höhe immer etwas zu schaffen. 2000 Meter sind kein Pappenstiel. Wir öffnen die Eingangstür und sind … zuhause…!!! Eine angenehme Wärme liegt in den Räumen. Erst einmal Licht anmachen, alle Türen öffnen. Und ankommen. Rolli nimmt sich ein kühles Bier aus dem Kühlschrank, mir reicht die Wasserflasche von der Reise. Sofort ist alles wie immer. Trotz der langen Zeit, die wir nicht hier waren. Koffer und Rucksack auspacken, Kleidung sortieren und gleich eine Maschine Wäsche starten :-))). Betten richten mit kuschlig warmer Bettwäsche. Rolli kocht für uns, nachdem er Batterien getauscht hat, die Uhr zum laufen und andere kleine handwerkliche Dinge erledigt sind. Es gibt Spaghetti mit Thunfisch-Tomaten-Sauce. Lecker. Dann noch ein wenig TV sehen, ich lese noch im Jahresrückblick der VIEW. Was alles passiert ist in 2021. Wieviel mir entfallen ist. Erstaunlich. Dann aber ins kuschelige, warme Bett, , ein Blick auf die Berge und in die Sterne. Dann fallen die Augen auch schon zu und chrrrr.

21.09.2021 Paris / Christo Tag 2 / Monet

Früh auf ist nicht das Problem. Tee kochen, duschen, Rucksack für den Tag packen und endlich geht es los. 8:15 h bin ich unterwegs. Die Sonne steht schon am Himmel und taucht das Kunstwerk in Gold. Es ist traumhaft.

Christo verhüllt heute in Gold

Das ist genau das, was ich so an den Christos Kunstwerken liebe. Zu jeder Tageszeit, Wetter abhängig reflektiert der Stoff und taucht die Installation in andere Farben. Im Verlauf meines Besuchs wirkt es erst Gold, dann reinweiss an vielen Stellen bläulich. Nicht zu vergessen das ROT der 7000 Meter Tauwerk. Auch heute bin ich so beeindruckt von dem Kunstwerk. Ich laufe drumherum, mache wieder gefühlt 300 Fotos und quatsche mit Volunteers und Besuchern.

Hier mal reinweiss
Das klare Rot der Taue
Das blau möchte ich nicht vorenthalten
Und am Abend mit Beleuchtung

Heute sprachen mich drei außergewöhnliche, junge Volunteers an. Eine Kolumbianerin, die auf dem Goethe Institut deutsch gelernt hat, ein junger Mann aus Lübeck, der in der Abschlussphase des Aufbaus noch auf dem Dach !!! den rein silberfarbenen Stoff zusammen genäht hat. Der Stoff hat auf dem Dach andere Bedürfnisse, da man darauf laufen kann. Der junge Mann kennt die Inhaber des Stoffhersteller / Näher (geo- Die Luftwerker) aus Lübeck und hat schon den Nähprozess verfolgen können. Die beiden Volunteers sind die ganze Zeit der Verhüllung mit dabei. Dienstbeginn in der Morgenschicht ab 6:30 h. Eine dritte, Pariserin sprach mich dann auch noch an. Kalt ist es den jungen Leuten in den Kleidungsstücken, welche von Issey Miyake designed worden sind. Schwarze Hose, Oberteile in blau/tot oder weiß/ (ah. Französische Flagge) Jacke, mit dem Arc de Triomphe und natürlich mit Tasche für die Stoffstückchen. Schick! http://www.2121designsight.jp/en/program/candj/index.html Die Guides sind sehr stolz auf ihre Tätigkeit.

Ein Guide im Issey Miyake Outfit

Auch zu anderen Besuchern habe ich einen guten Draht. Wir fotografieren uns gegenseitig. Kindergruppen sind hier, Künstler, die auf dem Boden hocken und zeichnen. Es ist so spannend. Es wird Yoga praktiziert, Fotografen sind in den unterschiedlichsten Stellungen am Objekt, Selfies und alle mit einem Happy smile auf den Lippen. Ich kann nur immer wieder sagen, eine außergewöhnliche und elektrisierende Stimmung.

Junge Künstler in Action
Yoga Übung vor dem Kunstwerk

Nun Frühstück. Ich gehe in die Brasserie Cristal. Humane Preise UND Blick auf den Triumphbogen.

Frühstück im Cristal – typisch, köstliches Baguette und frischer buttriger Croissant und immer den Blick auf den Triumphbogen

Der Tag muss ja auch noch geplant werden. Monet steht noch auf dem Plan. Suchen – schauen – online buchen. Etwas Zeit bleibt noch. Ich überlege dass ich laufe um noch etwas von Paris zu sehen. Im Stadtplan sehe ich die Ave Foch mit breiten Grünstreifen. Park? Weit gefehlt. Hundekackwiese, Trampelpfad. Keine gute Idee. Ich bin froh als ich am Musée Marmottan Monet ankomme. Der Weg ist nicht empfehlenswert. Hurra, ich habe ein online Ticket. Vorbei an der langen Schlange, Impfpass zeigen, Maske, Band abgerissen. Diese shit Dinger! Muß neue haben. Dann auf in das reizvolle alte, barocke Gebäude.

Musée Marmottan Monet
Parc Foch – lohnt GAR nicht – für Hunde oK / sonst Brrrrr

Im Museum findet man neben den wunderschönen Monet Bilder auch eine Dauerausstellung. Hier begeisterte mich die Frau von Eugene Manet: Berthe Morisot. Auch von der künstlerisch begabten Tochter hängen Bilder. Hurra Frauen!!!! https://de.m.wikipedia.org/wiki/Berthe_Morisot

Eine weitere junge Künstlerin versucht sich erfolgreich in „Monet vs Vicky Colombet“. sehr abstrakt, daher nicht mein Geschmack.

https://www.vickycolombet.com/mybio
Miniauswahl der Monet Bilder

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Peder_Severin_Kr%C3%B8yer Die mich kennen, wissen, dass ich reale Kunst (bis auf Christo 🙂 Graffitis und Bildhauer) sehr schätze. So haben mich die Bilder des dänische Künstlers Peder Severin Kroyder wirklich begeistert. Diese Farben sind vergleichbar mit Casper David Friedrich und die realitätsnähe von Gerhard Richter. Die Bilder haben mich sehr berührt.

Diese Szene strahlt soviel Ruhe und Gelassenheit aus.
So wirklichkeitsnah! Ich hätte am Strand mitlaufen können.

Nach zwei Stunden war ich übervoll mit gemalten Werken und Kunstgegenständen. Ich nehme neben einem Seerosenbild die beiden Damen am Strand von Kroyder „mit“. Da man sich unmöglich alles behalten kann, habe ich mir angewöhnt nur ein max. zwei Bilder im Gedächtnis zu behalten um mich an die Ausstellung erinnern zu können. Klappt ganz gut.

Monet – Die zarten rose und gelben Seerosen / Kroyder Sommerabend am Skagener Südstrand

So erfüllt gehe ich in den Park und setze mich auf eine Bank und sehe Kindern zu, welche mit großer Freude auf einem alten, schrammeligen Pferde-Karussell ihre Runden drehen. Es muss nicht immer das Neueste sein. Die Betreiber sind sehr freundlich zu den Kindern und auch zu den Erwachsenen. Immer ein Wort zu den Besuchern. Witzig fand ich das. Nachdem ich mich ein wenig ausgeruht habe wollte ich doch unbedingt noch die Seine sehen. Also auf!

Oldtimer – Karussell

https://meinfrankreich.com/arc-de-triomphe/

Mal checken woher der Hase läuft. Ich gehe durch ein hübsches Viertel und lande an der Seine. Doch was ist das? Freiheitsstatue auf der Seine Insel??? wie ich in Erfahrung bringen kann war DIE Freiheitsstatue „Miss Liberty“ ein Geschenk der Franzosen 1886 an die Amerikaner (La Liberté éclairant le monde) . Das Original stammt von Frédéric-Auguste Bartholdi. Daher befanden sich die Original Abgußformen noch in Frankreich. So wurde die Statue 1986 an dieser Stelle auf der Seine Insel in kleinerer Form aufgestellt.

Freiheitsstatue in Paris

Endlich etwas Ruhe, keine Autos und viele Schiffe. Ich sehe Hausboote. Ja bin ich in Holland? Mit Blümchen und netter Deko. Vielleicht günstiger zu wohnen als in der City.

Hausboote auf der Seine wie in Holland

Meine Wanderung führt über den Tour de Eiffel Anleger über Trocadero rauf zum Arc de Triumphe. Meine Füße schmerzen als ich oben ankomme. Nun habe ich mein Glas Wein und das Abendessen echt verdient!

Da reiten wir im Galopp zum Tour de Eiffel
Instagram lässt grüßen
Vom Sonnenuntergang bis zum Dessert

Erschöpft, mit über 21000 Schritten auf dem Zähler falle ich ins Bett und freue mich auf morgen.

22.09.2021 Paris Tag 3 – Christo und Local Guide Ellen (Paris-Greeter)

Früh aufstehen, einen Tee trinken, die Zeitung online lesen, so starte ich gern in den Tag. Dann juckt es mich wieder. Um ca. 7:30 h geht die Sonne auf. Also auf in den Tag. Was steht an? Christo – natürlich :-)) Um 11:15 h treffe ich Ellen Berger von den Paris-Greeters. Dann sehe ich weiter.

Sonnenaufgang, keine Wolke, Spaß

So quatsche ich wieder mit den Volunteers. Sie erfüllen meine Fotowünsche. Ich bin mal wieder überrascht mit welcher Begeisterung sie bei der Sache sind. Super!!! Nachdem ich diese Stimmung in mir aufgesogen habe, zieht es mich wie ein Magnet zum Café Le Cristal. Dort ist wieder ein Platz in der Sonne mit Blick auf den Triumphbogen frei. Wie bestellt. :-))

Das ist life / live plus plus 🙂

Da ich pünktlich vor Ort sein möchte, fahre ich mit der Metro Richtung Eiffelturm. Es ist sehr zeitig und so gönne ich mir noch einen Café au lait für 5,20 Euro. Die spinnen, die Pariser. Mein Papa dreht sich im Grab um bei den Preisen. Ich stelle mir als Knigge Trainerin die Frage (Schubladendenken): wie sieht eine Ellen Berger aus? Alt, jung, warum lebt sie Paris, wie lange? Viele Fragen. Wir winken uns über die Straße zu. Sie ist eher klein, Mitte 70 (wie ich später erfahre) und Pariserin. Der Name Berger (Übersetzung: Schäfer) ist hier häufig. Sie hat als Übersetzerin – deutsch / englisch / französisch – freiberuflich u.a. drei Jahre in Hamburg gearbeitet. Eine sehr nette flotte Dame. Sie zeigt mir ihr 7. Arrondissement rund um (nicht auf) den Eiffelturm. Für mich ist alles ganz neu und ich freue mich. Start ist die Miltitärschule, dann geht es kreuz und quer durch das typisch französische Viertel. Wir kaufen Brot, köstlich aussehende Törtchen mit Himbeeren und Feigen, verschiedene Käsesorten hat Ellen mitgebracht. So wandern wir durch kleine Parks, wunderschönen, architektonisch interessanten Häusern. Hier eine kleine Info: die Häuser wurden um 1900 erbaut. Der Krieg hat hier wenig Schaden angerichtet. Bis auf die Einschusslöcher, die man auch während der Restaurierung erhalten hat, sieht man Kleintiere im Stein. Muscheln, Schnecken usw. die Architekten und Steinmetze haben sich meist mit Baujahr auf den Fassaden verewigt.

Militärschule in Sichtachse zum Eiffelturm
Einschusslöcher aus dem Weltkrieg und kleine Einschlüsse von Muscheln / Schnecken.

Anders als in England-London / Berlin gibt es hier keine Minigärtchen hinter dem Haus. Auch nur wenige Parks, Gärten finde ich. Für Kinder eine Katastrophe. Oftmals sehen wir Nannys vorwiegend mit dunkler Hautfarbe, die mit Klein-Kindern durch die Straßen fahren. Sie treffen sich auf den Spielplätzen. Mir erscheint Paris in den Ecken, wo ich aufhalte sauber. Doch da widerspricht Ellen kategorisch.

Heller Stein aus der Gegend und französische kleine Balkone wohin der Blick auch geht.

Wir gehen an ihrem Zuhause vorbei und landen zum Picknick im Garten des Museums für „indigene Kunst“. Museum Quai Branly, Jaques Chirac – 37 quai Branly, 75007 Paris Frankreich Ein unglaublich interessantes, kubisches, mit Grün bewachsenen Wänden. Vor allem aber: endlich ein zauberhafter, kleiner Garten mit Sitzmöglichkeiten und einem Brunnen mit Trinkwasser. Der Mitarbeiter im Café war sehr stoffelig. Zur Toilette durften wir NICHT! Aber wir haben diese Auszeit mit den Köstlichkeiten sehr genossen. Himbeertörtchen, Baguette, Käse, Schinken – hmmmmm

Genuss im Museumsgarten mit Ellen Berger. Um uns herum ganz viele Gräser und Bambus

Abschließend waren wir am Invalidendom (Eintritt 15-20,- Euro). Reingegangen sind wir nicht. Der Dom ist zweigeteilt. Vom Exerzierplatz, an welchem heute gefühlt Hundertschaften Polizei mit MPs im Anschlag marschieren. Wir gehen vorsichtig vorbei in den dort liegenden Domteil – kostenfrei!

Napoleon Bonaparte lassen wir in Ruhe in seiner Gruft ruhen. Wir werfen einen Blick in den für uns nicht zugänglichen Domteil (da nicht bezahlt) und setzen uns in die Sonne und lassen den Tag nochmal Revue passieren. Ich bedanke mich für die außergewöhnliche Gastfreundschaft und Führung mit den vielen Eindrücken. Markt mit Köstlichkeiten aus der Region, Architektur mit den unterschiedlichen Stilen Art Deco, Jugendstil, Architekt Haussmann. Man nannte die Zeit: Belle Epoche. Warum gibt es keine Graffitis hier frage ich noch. Das wünschen die Bewohner nicht. Häh?? Komische Antwort. Aber tatsächlich ist hier nichts!!!! beschmiert. Zum einen wird es hoch bestraft Wände zu besudeln und zum anderen gibt es Arrondissements wo sich niemand dran stört. Da sieht man dann mehr. Ich habe in diesem Revier nur etwas an einem Bauzaun gesehen.

Bauzaun Graffiti
Strassenpoesie – Love it

Wir sagen schon mal tschüss und danke für die Zeit. Denn nun fahren wir mit dem Bus zurück. Heißt, wenn einer kommt. Tatsächlich wandern wir von Station zu Station, da wir nicht im Wartehäuschen bleiben wollen und zu guter letzt ist Ellen zuhause angekommen und ich hechte in den Bus. So konnten wir uns nur noch zuwinken. Den Spaziergang mit einer Bewohnerin kann ich nur empfehlen. https://greeters.paris/en/. Ich komme geschafft – wieder über 20000 Schritte :-))) wieder am Arc de Triomphe an und gehe natürlich nochmal zum Platz, wandere ein wenig umher und kehre in mein „Stammlokal“ „Le Cristal“ ein. Christo am Abend ist zauberhaft. Das Wetter so mild, dass man wunderbar die Luft draußen genießen kann. Der Kellner kennt mich schon :-))) . Ein Glas Sancerre bitte. Mein Nachbarn bekommen ein Enten Gericht serviert, welches mir das Wasser im Mund zusammen laufen lässt. Das bestelle ich auch. In Wein und Gewürzen eingelegte Entenkeule (Mini) und Kartoffelecken dazu. Sehr lecker. Der Tag war so ausgefüllt, so dass ich gut gesättigt, etwas strubbelig im Kopf Zähne putze uns ins Bett plumpse. Bon nuit Paris.

Am Abend in pink
Le Cristal in Sonnenuntergang
Ave le grand Armee am Abend

20.09.2021 – Christo in Paris – Arc de Triomphe

https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/paris-triumphbogen-christo-verhuellung-100.html

Ich bin soooo aufgeregt. Mein Lieblings Künstler und seine letzte Verhüllung des großartigen Bauwerkes. Nichts war ihm zu klein oder zu groß! nach Oberhausen – New York – Iseo See – London nun PARIS. Frisch gebucht ist bald gefahren. So geht es am Montag, 20.09.21 mit dem Thalys ab Köln über Brüssel nach Paris zum Gare Du Nord.

Doch der Reihe nach. Unser Bau steht kurz vor Vollbesetzung, Einzüge, Reklamationen, Aussperrung (Rolli 3 x :-)), Putzaktionen und und und. Thilo und Kendra ziehen mit Eméa nach Letmathe, Ginas und Fabis Baby macht sich auf den Weg. Da denke ich: nix wie weg hier. Erstmal ohmmmmmmm.

Hier ein kleines Ohm- erst mal erden und Kraft sammeln.

Früh fahre ich mit Doro und Putzeimer nach Letmathe, Einweisung. Zuhause berichtet Rolli, dass die Maler noch etwas brauchen. Also die letzten Sachen in den Rucksack geschmissen und auf. Handwerker erledigt, bringt er mich sehr zeitig zum Zug nach Hagen. Zum Glück!!!! Denn mein gebuchter Zug fällt aus, obwohl der Streik vorbei ist. Es fährt noch eine R-Linie – jetzt sofort. Nehm ich.

Pünktlich lande ich in Köln und kann noch einen Espresso trinken, bevor ich in den Zug nach Paris steige. Der Thalys ist sehr komfortabel. Weiche, weinrote Polster-Sitze lassen die 3 stündige Fahrt schnell vergehen. Angekommen am Bahnhof kaufe ich als erstes für die Woche eine Navigo Decouverte (Wochenkarte, 5 Euro für die Karte, ein Passfoto – Kosten: 22,80 Euro für die Woche). Erst geht es mit der Metro 4 eine Station dann no 2 Richtung Triumphbogen.

Mein allererster Blick auf das Christo Kunstwerk.

Nachdem ich den ersten Kunst Hunger gestillt habe und ein wenig um das Bauwerk aus Entfernung geschlendert bin, mein erstes Stück Stoff in Silber und blau geschenkt bekommen habe, ziehe ich in mein Appartement, gebucht bei AirB&B. Ganz nah am Triumphbogen.

Zwei hintereinander liegende Türen mit separaten Codes müssen geöffnet werden, einen Briefkasten Schlüssel aus dem Briefschlitz angeln. Diesen wiederum brauche ich um den Schlüsselkasten im Briefkasten zu öffnen: Nach dem „Escape-Room“ Feeling – Enttäuschung. Zimmer (9 qm) im EG. Fenster kann man nach außen nicht öffnen. Den Innenflügel schon. Nach draußen alles verrammelt und verriegelt. Ich sehe den Himmel nicht!!! Geräusche höre ich vielfältig. Denn ich wohne direkt auf einer Hauptstraße 🙂 . Aber hier wird nicht gemeckert. Doch mein Plan, gemütlich zu sitzen und zu schreiben, ggf mit Blick auf den Triumphbogen geht bedauerlicherweise nicht auf. Die Bilder im Netz täuschen leider. Das Wetter ist gut, ich gehe raus. Dafür ist Paris wie geschaffen.

Hallo Paris – Christo der Triumphbogen ist wichtig, nicht das Zimmer:-))

Auspacken, dann noch mal raus. Auf dem Platz war ich in null komma nichts. Es sind keine wartenden Gäste. Impfbuch-Check / Taschen-Check und schon stehe ich auf dem Platz mit vielen anderen begeisterten Kunstfreunden, Neugierigen, Fotografen und verrückten.

Der Eingang

Nachdem ich mir den ersten Eindruck verschafft habe, wollte ich rauf. 50 Meter hoch ist der Bogen. Eintritt war flugs online gebucht und statt Tagesschau sehe ich mir Paris um 20:15 h von oben an. Eine Wendeltreppe führt in den Himmel. Mir wird schon ganz schwindelig. Weit oben ist noch eine kleine Ausstellung.

Wendeltreppe zur kleinen Ausstellung im Arc de Triompfe

Eine kleine Video Biografie von Christo sehe ich mir noch an, bevor ich auf das Dach klettere. Es ist überwältigend. Die Nacht, die Lichter, der Eiffelturm, Sacre Coeur und nicht zuletzt die vollen sternförmigen Straßen, die sich alle auf den Place Charles de Gaulle ergießen um auf anderen Straßen wieder ausgespuckt zu werden. Der Verkehr ist verrückt. Auch hier oben spürt man die pulsierende Stadt. Der Stoff ist nur silbern auf dem wir laufen. Der gesamte Bereich ist verpackt. Viele deutsche Stimmen sind zu hören. Jede volle Stunde blinkt der Eiffelturm wie in Disney-World. Kitsch pur.

Stoff silbern/grau – Tour de Eiffel

Hin und her bin ich gelaufen, Lichter geschaut, Verkehrsgeräusche gelauscht, die herabsenkende Nacht beobachtet. Die Temperatur ist angenehm frisch aber nicht kalt. Mich fröstelte eher die Atmosphäre. Vor allem als sich der Vollmond noch durch die Wolkendecke voll und rund schiebt. A Magic Moment!

Ein magischer Moment – mit dem Vollmond im Hintergrund.
Kitsch pur – Eiffelturm blinkt wie im Disney Land

Nun habe ich genug erlebt für heute. Müde falle ich gegen 23 Uhr ins Bett bis mich Rolli noch anruft. kommt das Baby? Nein, Thilo hat gerade mit einigen Helferlein den LKW ausgeladen und nun kommen die beiden bei einer Dose Bier auch zum Feierabend. Bon nuit.

01.08.2021 – Schweizer Nationalfeiertag in Hamburg mit Bettina

Frisch geduscht, munter starten wir mit Müsli und Schale Kaffee in den Tag. Heute ist der Nationalfeiertag in der Schweiz.

Schoggi – rot weiß

Mit dem Schweizer Verein in Hamburg starten wir heute zu einer Führung durch den Ohlsdorfer Parkfriedhof. gut, dass ich meinen Regenmantel dabei habe, diesen habe ich heute öfter kurz gebraucht. Zwei Gruppen laufen durch einen Mini kleinen Teil des alten Cordes Parkfriedhof. Ich kann nicht beschreiben, wie sehr mich dieser Besuch berührt. Ganz anders als alles was ich je gesehen habe. Auf einer Tafel, die ich am Abend noch entdecke wird in wenigen Worten gesagt, was gesagt werden muss.

… ein Ozean aus Frischluft …. Grüne Unendlichkeit ….. himmlischer Frieden

Die Verbindungen von der Erde zum Himmel sind überall spürbar. Wir laufen kreuz und quer gefühlt über die Rasenflächen, hin zu Grabstätten, zu bekannten und unbekannten Persönlichkeiten Hamburgs. Senatoren, Handwerker, Feuerwehr und Polizei. Viele Berufsgruppen werden besonders geehrt. Auch etliche Kriegsgräberstätten von ungeahnter Größe können wir besuchen.

https://www.friedhof-hamburg.de/die-friedhoefe/ohlsdorf/

Mainzer Sandstein – Rosen für die Ewigkeit und Anemonen für die Vergänglichkeit findet man überall

Nach zweieinhalb Stunden beenden wir die äußerst interessante Tour durch den Park mit vielen Senatoren, Bürgermeistern und dem einen oder anderen bekannten Namen im Kopf. Monica Bleibtreu in ihrem schlichten Grab, Herrn Ohnesorg klein und unscheinbar, der aufmüpfige Autor und Schauspieler Harry Rowolth (Sagen was man denkt. Und vorher was gedacht haben.) Malerin Anita Ree ist auch hier beigesetzt. Sie hat als Frau viel in der Kunst erreicht und hat sich für damalige Verhältnisse emanzipiert.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Anita_R%C3%A9e.

Von mir gibt es mal wieder ein Torfoto. Diesmal im Bogen des Werdens und Vergehens. Dieses Tor steht vor dem anonymen Gräberfeld vor dem Riedemann Mausoleum.

https://fredriks.de/ohlsdorf/s06.php?f=14

Klaus Bösselmann gestaltete den Rundbogen mit dem symbolisierten Lebensthema „Werden, Sein, Vergehen“
Wie nah mir dieses Thema gerade ist!
Schweizer bekennen sich sogar an den Fahrzeugen.

Wir treffen uns bei einem Mitglied des Schweizer Vereins zum feiern im Garten. Natürlich alles im Schweizer Rot-Weiß geschmückt. Hier gibt es traditionelle Küche. Cervelat, Salate, Wein aus der Schweizer Region und natürlich Schoggi. Wir verbringen einen vergnügten Nachmittag mit interessanten Gesprächen rund um die Schweiz und Hamburg.

Nach dem guten Essen und erfrischenden Gesprächen fühl ich mich wie genudelt. Die Sonne scheint und Bettina sucht eine Bahnverbindung in die City. Da wir uns jedoch an einem Eingang des Ohlsdorfer Friedhof befinden äußere ich den Wunsch über den Park zurück zur Bahn zu gehen. Diesem Wunsch wird entsprochen. wir starten und wandern wieder kreuz und quer. Auf der Google Maps Karte finden wir zufällig Begräbnis Stätten von uns bekannten Persönlichkeiten. Da diese auf unserem Weg liegen besuchen wir: Loki und Helmut Schmidt, Jan Fedder, Inge Meysel und weitere. Wir schlagen uns durchs Gebüsch unter Rhododendren und sind oft erstaunt über die Wahl der Orte. Manche sind total zugewuchert, manche alte Grabstätten sehr gepflegt.

Diverse Grabstätten

Berührt hat uns das große Kriegsgräberfeld der gefallenen russischen Soldaten. Ein fast unüberschaubares Feld. Zum Teil mit Blumen geschmückt, zum Teil nur die Grabsteine. Mir war nicht bewusst das so viele russische Soldaten in der Kriegsgefangenschaft gestorben sind. Millionen !!!!! Unfassbar, noch heute. Welche Gräueltaten, Tränen und Trauer Kriege mit sich bringen.

Gräberfeld zur Erinnerung an russische Gefangene

Ich bin auf der Suche nach Engeln. Von den 220 Engeln, die in Statistiken genannt werden hier ein paar, die auf unserem Weg liegen. Sie geben mir Ruhe und Gute Gedanken. Das Bild meine Lieben im Himmel, in der Unendlichkeit zu wissen bekommt durch den Engel nochmal eine wohltuende Bedeutung.

220 Engel soll man auf dem Parkfriedhof finden.

Es geht gegen 20:15 Uhr als wir den Rosengarten erreichen und lassen uns auf einer Bank von der untergehende, wärmenden Sonne verwöhnen. Die letzten Sonnenstrahlen finden den Weg durch den Blätterwald in den Rosengarten. Ein schöner Moment, der den Tag abrundet und wohlige Gefühle an unsere Lieben hinterlässt, die schon alle vor uns gegangen sind.

9 km sind wir durch den Weltweit größten Parkfriedhof gelaufen. 389 Hektar groß. Ein vielfaches an Fläche des Vatikans und auch des Central Parks in New York. wir haben einen kleinen Teil erlaufen und fallen am Abend mit einer Gesamtschrittzahl von 14.128 Schritten wohlig kaputt ins Bett.

Hier unsere Wanderstrecke Teil 1 und 2 durch den Parkfriedhof Ohlsdorf.

11.07.2021 – Zürich – Gerhard Richter

Frühstück mit Blick auf das Grossmünster amLimmat

Heute Nacht stieg vor meiner Tür eine Party. Gegen 6 Uhr tobten die jungen Leute noch immer durch die Straßen und feierten was das Zeug hält. Gut, dass ich einen so tiefen Schlaf habe. Bettina Etique kommt aus Biel um mit mir die Gerhard Richter Ausstellung im Kunsthaus zu besuchen. Die Freude ist groß, dass wir uns mal wieder in der Schweiz sehen und etwas gemeinsam erleben. Sie geht schon früh auf die Bahn und wir treffen uns im Hotel, da sie direkt bei mir eincheckt. Perfekt, dass das „Upgrade“ unverhofft geklappt hat. Nachdem wir uns in dem kleinen Hotelzimmer eingerichtet haben starten wir in den sonnigen Tag mit dem Wunsch auf einer Außenterrasse frühstücken zu gehen. Wünsche werden so schnell erfüllt wenn man richtig wünscht. Kurze Zeit später sitzen wir am Limmat mit Blick auf das gegenüberliegende Ufer mit Grossmünster im Hintergrund und blauem Himmel.

Nach ein – zwei Schalen Kaffee und frischen buttrig duftenden Gipfelis starten wir zum Kunsthaus über die Brücke zum Großmünster in die kleinen Gässchen und landen schneller als wir denken im ….

Ja, gibt es denn so etwas? Wer hätte das gedacht! So schnell landet man im Paradies. 🙂 Wie wir auf einer Plakette lesen können, stammt das Gassen- und Kernhaus aus dem 13./14. Jahrhundert. Die heutige Fassade erhielt es im 16. Jahrhundert. Der barocke Erker folgte in der 2. Hälfte des 17. Jahrhundert. 1450 wurden für den damaligen Bewohner Rudolf Netstaler Wandmalereien (Männergelage und Monatszyklen) im 1. Geschoss gemalt. Das Gebäude steht seit 1983 unter Denkmalschutz.

Wir lassen uns ein wenig treiben. Bestaunen die alten Gemäuer und Geschäfte. Eine kleine Bücherstube erweckt unsere Aufmerksamkeit. Zum einen der Herr der davor die Auslage studiert, da er sehr speziell gekleidet ist. Zum anderen steht in der Auslage eine Struwwelpeter Ausgabe „neu frisiert“. Zum Struwwelpeter fällt Bettina gleich eine Ausgabe ein, welche sie in Hamburg in einer kleiner alten Buchhandlung gesehen hat mit einer Karikatur von Hitler. Anm: tatsächlich sehe ich drei Wochen später diese Ausgabe in der Auslage in einem Hamburger Antiquariat. Siehe hierzu den Blog-Eintrag vom 31.07.2021 Hamburg.

Weiter steigen wir den Berg hinauf. Ich bin wieder erstaunt, das Zürich sooooo hügelig ist. Vorbei an etlichen Brunnen und wunderschönen, mit Efeu bewachsenen Häusern geht es den Berg wieder hinunter zum Kunsthaus Zürich. Die Karten haben wir selbstverständlich online vorher erworben, um auch wirklich in die Ausstellung zu kommen. Das Wetter ist wunderschön, die Menschen sitzen entspannt im Museumscafe und genießen den sonnigen Tag. Wir starten mit der großen Richter Ausstellung. Im Eingang wird der Blick direkt auf ein großformatiges Bild auf eines seiner „Seestück – See-See“ Bilder aus den 1970iger gelenkt. Dieses dürfen wir nicht fotografieren, macht nichts, da in der Ausstellung weitere hängen, die genauso beeindruckend sind. Denn genau dieses Bild hat mich in einer früheren Ausstellung so fasziniert. Ich bin wieder hin und weg über die wirklichkeitsgetreue Darstellung des aufgewühlten Meeres. Wie schafft der Künstler es, die Stimmung am Meer so einzufangen, so dass ich das Gefühl habe an der Nordsee zu stehen. Es fehlt nur noch die Geräuschkulisse, das Kreischen der Möwen, der Wellenschlag, der Sand unter den Füßen, so dass ich Eindruck habe am Meer zu stehen. Aber das ist ja erst der Anfang. Was erwartet uns noch?

Seestück bewölkt 1969 Öl aus einer Privat Sammlung über neues Museum Nürnberg

Ich werde jetzt nicht alle Kunstwerke benennen. Ganz neu für mich waren jedoch die Originalfotos, die Gerhard Richter durch Farbe gezogen hat und somit kleine, neue Kunstwerke geschaffen hat. Auch haben mich die Landschaftsfotos berührt.

Originalfotos mit Öl

Natürlich gefallen uns die Berg Impressionen. Das hier gezeigte Bild erinnert mich stark an die Riederalp.

Erinnerungen an die Riederalp
Ruhrtalbrücke 1969

https://www.monopol-magazin.de/gerhard-richters-bruecke

Neben den vielfältigen Bildern, unterschiedlichen Kunstwerken „nehme“ ich diesmal die Ruhrbrücke mit. Aus meiner Heimat, so oft hinübergefahren beeindruckte mich der 25 minütige Film des Filmemacher Hannes Reinhardt über die Entstehung des Kunstwerks.

https://www.gerhard-richter.com/de/art/paintings/photo-paintings/landscapes-14/ruhrtal-bridge-5663

Nach der beeindruckenden Ausstellung setzen auch wir uns in das Café unter einen Sonnenschirm mit Kaffee und lassen die Kunst auf uns wirken. Wir haben noch nicht genug. Also auf in die Dauerausstellung auf der Suche nach Boys finden wir Seerosenbilder von Monet, grafische Muster, einen eingerichtetenSalon u.v.m. ich bin müde und will nicht mehr. Wieder zurück ins centrum verspüren wir den kleinen Hunger. Es sind noch Plätze frei im Schweizer Restaurant und ich bestelle Senffondue. Dies kennt Bettina nicht. Haha! Da komme ich Touri-Tussi und erkläre Köstlichkeiten, die wir bereits seit 20 Jahren aus dem Wallis kennen. Hmmmm

Ein Dessert muss natürlich auch sein. Die süße Versuchung trifft auf Merengue mit Eis. So gestärkt wollen wir noch einen Abendspaziergang machen als ich den Anruf bekomme, dass mein Papa unverhofft ins Krankenhaus musste. Nun habe ich keine Ruhe mehr. Statt meiner geplanten Rückreise am Montag morgen suche ich eine Nachtverbindung mit dem Zug und sitze bereits eine Stunde später um 21:30 h im Zug über Basel nach Iserlohn.

Natürlich kann ich nicht schlafen, telefoniere noch mit der Familie und bekomme dann gegen Mitternacht den Anruf, das unser geliebter Papa mit 88 Jahren die Augen für immer geschlossen hat. Ich bin so entspannt nach Zürich gereist, keinerlei Anzeichen auf eine Krankheit von den Eltern. Also bestätigt sich die Aussage: lebe den Moment, verabschiede dich immer so, als ob es das letzte mal ist, dass man sich sieht. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich mit den beiden am Freitag morgen noch unterwegs war und, dass wir einen Kaffee beim Hellweg getrunken haben. Wir hatten noch viel Spaß, Papa hat noch Lotto-Lose gerubbelt. Als wir zuhause waren habe ich so gelacht als Papa mich in der Garage ein einparken eingesperrt hatte. So schnell kann das Leben vorbei sein. Lasst uns dankbar sein, für jeden Tag den wir auf Erden weilen mit Familie und Freunden. Genießt das Leben in jedem Moment.

RIP lieber Papa

10.07.2021 – Badi in Zürich

Wie immer war ich früh auf und bin dann durch die aufwachende Stadt gegangen. Die Sonne kommt hervor und ich genieße den Morgen in der Stadt mit den grauen Sandsteinen. Am Abend waren viele feierlustige Menschen unterwegs. Corona scheint hier in der Schweiz weit weg zu sein. Erstaunlich, wie sich in den beiden Nachbarländer die Corona-Bedingungen unterscheiden. Hier sieht man kaum Masken, die Menschen stehen beieinander. Die Restaurants sind voll, draußen und innen. Mir ist ein wenig flau. Bin es seit vielen Monaten nicht gewohnt. Hoffentlich gewöhn ich mich bald wieder an diese „Normalität“. Die jungen Leute gestern Abend waren ausgelassen, laut, fröhlich. Es fühlte sich seltsam an, doch kann ich so gut verstehen, dass gerade diese Altersgruppe wieder raus möchte, feiern will und die Gemeinschaft lebt. Ich setzte mich zu einem ersten Cappuccino in ein Café, welches sich gerade bereit für die Morgengäste macht. Um die Ecke – ein schönes vegetarisch/Veganes Angebot, sehr nett eingerichtet. Als Sandra mich aufliest ist sie erstaunt und meint, ah ein neues Lokal. Wir gehen zum Limmat. Er scheint momentan viel Wasser zu führen. Entlang des Limmats Richtung See finden wir ein sehr schönes Lokal und suchen einen Platz draußen. Das Angebot ist gut und so töttern wir noch eine zweite Runde Kaffen und Tee bis es wärmer wird und der Wunsch nach einem Ortswechsel größer wird.

So ein köstliches Frühstück mit einer „Schale“ Kaffee. Nett serviert auf der Etagere. „Ich liebe Etageren“ 🙂

Weiter den Limmat hinunter. Am Seeufer liegt schon ein sichtbar älteres weißes Holzgebäude, das UTOQUAI Badehaus, in welches wir hineingehen.

Klicke, um auf Zuercher_Baederkultur.pdf zuzugreifen

Wir nehmen uns ein Kärtchen aus der Box. Drei Farben liegen bereit: Herren, Damen und gemischt. Aha denke ich – alles klar geregelt. Warum nimmt Sandra gemischt? Ach so: Die Bereiche sind getrennt. Es gibt einen Herren-Badebereich, einen Damen-Badebereich und eben Mann/Frau/Kind/Divers – alle durcheinander. Nun verstehe ich Tante Dete 🙂 Man muß ja mal aufgeklärt werden. Das Gebäude ist sehr breit, so dass für alle genug Raum zur Verfügung steht. Viele Badegäste liegen bereits auf Hammam-Tüchern auf den Holzplanken und genießen die Sonne. Wir steigen treppauf und treppab und suchen uns ein schönes, freies Plätzchen. Tja – schwierig. Denn es ist doch schon gut gefüllt. So landen wir zunächst mittendrin. Wie sich jedoch später herausstellt, ist ein ständiges kommen und gehen und es gelingt uns nach einiger Zeit die Plätze an den Wänden zu besetzen.

Sandra hat sogar für Essen gesorgt.

Ein traumhaft schöner Tag. Wir haben einen Lazy Day – einen Nothing Day. Sandra hat einen strengen Beruf und genießt die Stunden hier sehr. Auch ich finde es wunderbar. Es ist schon sehr lange her, dass ich so viele Stunden an einem Badeort verbracht habe. Erst recht im Liegen auf einer harten Holzplanke. Wir haben uns immer wieder mit Sonnenschutzmittel eingecremt. Trotzdem hat uns die Sonne dann voll erwischt und der gerötete Rücken hat uns noch längere Zeit an das Badeerlebnis erinnert. Das Seewasser ist wunderbar. Weich, warm. Ich genieße es so sehr und bin gefühlt sechs bis zehn Mal am Tag im See baden. Ich schwimme zügig meine 1000 Meter, ich lasse mich treiben, ich finde es wunderbar mich im chlorfreien Wasser bewegen zu können. Es ist heiß, richtig heiß. So tut die Abkühlung sehr gut. Boote gleiten an unserem Liegeplatz vorbei. Die Menschen sind gelöst und vergnügt. Es wird viel geplaudert, gespielt, gelesen. Die „Jungs“ springen von ihrem Bereich von einem 1 bzw 3-Meter Brett. Ich kann die schönsten Bauchklatscher, versuchte Salti und Arschbomben aus demWasser beobachten. Die Damen liegen sonnenbadend auf den Planken und beobachten die Wasserromantik des Sees.

Vom Damendeck auf den Züri-See

Am späten Nachmittag kommen noch sehr gute Freunde aus Chur von Sandra. Drei drei haben am folgenden Tag eine Wanderung auf den Pilatus Berg geplant. Gemeinsam baden wir, plaudern, tauschen uns aus. Schön, dass ich in der jungen Runde so toll aufgenommen werde. Aber irgendwann ist auch der schönste Tag vorbei und wir packen unsere sieben Sachen zusammen und fahren gemeinsam in Sandras kleines Domizil. Obwohl nur ca 30/40 qm groß (bei den Zürcher Mietpreisen kann man sich nichts größeres leisten – hier schon über 1000 CHFr) ist es eine heimelige Heimstatt. Mit Terrasse und einem kleinen Rasenstück vor dem Haus. Wir zaubern gemeinsam eine Pizza mit Salat und haben uns so viel zu erzählen. Ein sehr harmonischer, fröhlicher Abend mit einem guten Tropfen Wein. Dann braut sich jedoch etwas zusammen. In der Ferne hört man schon den Donner. Ich habe den Wunsch nach dem vielen herum liegen noch ein paar Schritte zu gehen und verabschiede mich von diesen wunderbaren Menschen mit dem Wunsch uns bald wiederzusehen.

Zürich ist eine sehr hügelige Stadt. Das war mir in der Form nicht bekannt. Sandra wohnt jedoch auf dem Berg. Für mich heißt es deshalb nur hinab laufen. Finde dank passender App auch den Weg sofort und erfreue mich an den schönen alten Häusern, an denen ich vorbei gehe. Viele in dem grauen Backstein, aber auch gelb gestrichene Villen stehen in diesem Bezirk. Wunderschöne alte Architektur, mit Türmchen, zum Teil in großen Parkanlagen. Auch eine Universität liegt auf meinem Weg zum Limmat. Ein entspannter Abendspaziergang. Vorbei an vielen Brunnen. Sandra erwähnte, dass Zürich an die 300/400 Brunnen haben soll. Ich habe schon viele gesehen auf meinen Spaziergängen.

Einer von vielen der Züri Brunnen. Das Abendlicht war bezaubernd.

Einen kleinen Schauer habe ich dann noch mitbekommen. Doch bin ich fast trocken in meinem Hotel angekommen. Wieder Party! Na, dann bin ich gespannt wie lange die jungen Leute heute feiern. Ich gehe zu Bett, schließe vorsichtshalber das Fenster, obwohl es im Zimmer sehr warm ist. Morgen besucht mich Bettina aus Biel. Es ist toll, dass überall Menschen sind, die mich auf meinen Reisen begleiten und Erlebnisse teilen. Wir möchten die Gerhard Richter Ausstellung im Kunsthaus besuchen. Darauf freue ich mich schon sehr.

https://www.gerhard-richter.com/de/biography

😉 eines meiner Lieblingsbilder von Gerhard Richter